Spiele-Glossar

STUN und TURN: So finden Geräte im Online-Spiel zueinander

Wie finden sich zwei Browser hinter zwei Routern? STUN nennt die öffentliche Adresse, TURN springt ein, wenn der direkte Weg blockiert ist.

8–12 Minuten

Kurz erklärt · Multiplayer & Online

STUN und TURN sind Hilfsverfahren für Direktverbindungen im Internet. Ein STUN-Server verrät einem Gerät hinter einem Router seine öffentliche Adresse; ein TURN-Server leitet die Daten als Notlösung weiter, wenn keine direkte Verbindung zustande kommt.

Auch: STUN-Server, TURN-Server, Session Traversal Utilities for NAT, Traversal Using Relays around NAT, NAT-Traversal, Relay-Server

STUN und TURN einfach erklärt Zwei Geräte stecken hinter Routern, eines zu Hause, eines im Schulnetz, und haben nur private Adressen. Zuerst fragen beide beim STUN-Server oben nach und bekommen ihre öffentliche Adresse zurück. Mit diesen Adressen fließen die Daten danach direkt von Router zu Router. Ist der direkte Weg blockiert, laufen die Daten über den TURN-Server unten, der sie weiterleitet. Zuhause Schulnetz STUN-Server nennt die Adresse TURN-Server leitet weiter Router Router 192.168.0.12 192.168.1.5 blockiert direkt 203.0.113.7 198.51.100.4 1 STUN verrät jedem Gerät seine öffentliche Adresse 2 Mit diesen Adressen klappt der direkte Weg 3 Blockiert? Dann leitet TURN die Daten weiter STUN nennt die Adresse, TURN ist die Notlösung
So funktioniert’s: Beide Geräte erfahren beim STUN-Server ihre öffentliche Adresse und verbinden sich damit direkt. Ist der direkte Weg blockiert, reicht der TURN-Server die Daten weiter. Die Adressen sind Beispiele.

Was bedeuten STUN und TURN?

STUN steht für Session Traversal Utilities for NAT, frei übersetzt „Hilfsmittel, um NAT zu durchqueren“. TURN heißt Traversal Using Relays around NAT, also „NAT mithilfe von Weiterleitungen umgehen“. Beide sind offene Internet-Standards und stecken etwa in Videotelefonie und Online-Spielen – im Browser als Teil von WebRTC.

Beide helfen zwei Geräten hinter Routern, zueinanderzufinden – die Voraussetzung für Peer-to-Peer, also für Spieldaten, die direkt von Gerät zu Gerät fließen.

Warum braucht man STUN? Das Problem mit NAT

Dein Router bekommt vom Internetanbieter eine öffentliche Adresse. Handy, Laptop und Tablet im Heimnetz erhalten dagegen private Adressen, oft beginnend mit 192.168. Solche privaten Adressen gibt es in Millionen Haushalten gleichzeitig, aus dem Internet sind sie nicht erreichbar.

Damit trotzdem alle ins Netz kommen, übersetzt der Router die Adressen. Das heißt NAT, Network Address Translation (Netzwerkadressübersetzung). Der Router arbeitet dabei wie ein Pförtner: Schickt ein Gerät etwas nach draußen, merkt er sich, wer gefragt hat, und lässt die Antwort herein. Unaufgeforderte Post von außen weist er ab.

Für ein Online-Spiel ist das ein Problem. Ein Gerät kennt nur seine private Adresse, und mit der kann das Gegenüber nichts anfangen. Es braucht jemanden, der von außen sagt: „So siehst du für das Internet aus.“

Wie funktioniert STUN?

  1. Dein Gerät schickt eine kurze Anfrage an einen STUN-Server im Internet.
  2. Der Server sieht, von welcher öffentlichen Adresse und welchem Port die Anfrage kam – der Port ist eine Nummer, mit der der Router Verbindungen auseinanderhält. Genau das schickt er zurück.
  3. Beide Geräte tauschen diese Angaben über den Vermittlungsserver des Spiels aus, der auch Raumliste und Raumcode verwaltet.
  4. Nun senden sich beide gleichzeitig Datenpakete. Weil jedes Gerät selbst etwas nach draußen schickt, lässt sein Router die Antwort herein. Fachleute nennen das Hole Punching, „Loch stanzen“.

Danach ist der STUN-Server aus dem Spiel: Er hat nur die Adresse genannt und sieht keine Spieldaten.

Wann springt TURN ein?

Hole Punching klappt nicht immer. Manche Router vergeben für jedes neue Ziel eine andere Portnummer (symmetrisches NAT), dann passt die per STUN ermittelte Adresse für das Gegenüber nicht. Strenge Firewalls in Schulen und Firmen lassen außerdem oft nur gewöhnlichen Webverkehr durch.

Dann hilft TURN: Beide Geräte verbinden sich nach draußen mit einem TURN-Server, und der reicht jedes Paket zur anderen Seite durch. Das klappt fast immer, kostet aber: Der Umweg erhöht die Latenz, und der Betreiber muss sämtliche Spieldaten durch seine Leitung schicken. TURN ist deshalb die Notlösung, nicht der Normalfall.

WegSo läuft esTypischer Fall
Direkt im selben NetzDie Geräte nutzen ihre privaten AdressenBeide sitzen im selben WLAN
Direkt dank STUNÖffentliche Adressen, die Router lassen die Pakete durchDer Normalfall zu Hause
Weiterleitung über TURNEin Server reicht jedes Paket durchStrenge Firewall oder schwieriger Router

Welcher Weg genommen wird, entscheidet der Browser selbst: Er sammelt alle Möglichkeiten, testet sie und nimmt die beste. Dieses Verfahren heißt ICE (Interactive Connectivity Establishment). Manche Spiele leiten im Notfall auch über ihren eigenen Server um.

STUN, TURN und deine IP-Adresse

Damit ein STUN-Server dir deine öffentliche Adresse nennen kann, muss er sie sehen – deine IP-Adresse wird also an ihn übertragen. Bei einer Direktverbindung erfährt sie außerdem dein Gegenüber. Ein TURN-Server sieht die Adressen beider Seiten und wie viele Daten fließen, den Inhalt aber nicht: Bei WebRTC sind die Daten von Gerät zu Gerät verschlüsselt.

Tipp: Seriöse Spiele erwähnen in ihrer Datenschutzerklärung, dass für Online-Partien Vermittlungsserver genutzt werden. Möchtest du deine IP-Adresse nicht weitergeben, wähl Modi ohne Online-Verbindung, etwa gegen den Computer.

STUN und TURN in Spielen auf Player 0o5

So hilfst du, wenn die Online-Verbindung nicht zustande kommt

  1. Warte einige Sekunden: Manche Spiele schalten von selbst auf eine Weiterleitung über ihren Server um.
  2. Achte auf Hinweise wie „über Server“ – dann läuft das Spiel bereits über den Umweg.
  3. Wechsle testweise vom Schul- oder Firmen-WLAN ins Handynetz, dort klappt die Direktverbindung häufig.

Häufige Fragen zu STUN und TURN

Was ist ein STUN-Server?

Ein STUN-Server ist ein kleiner Dienst im Internet, der einem Gerät sagt, unter welcher öffentlichen Adresse es erscheint. Mit dieser Adresse kann ein anderes Gerät eine Direktverbindung aufbauen.

Was ist der Unterschied zwischen STUN und TURN?

STUN hilft nur beim Kennenlernen und nennt die öffentliche Adresse; die Daten fließen danach direkt. TURN leitet dagegen alle Daten selbst weiter und kommt nur zum Einsatz, wenn der direkte Weg scheitert.

Macht TURN ein Online-Spiel langsamer?

Meist ein wenig, weil die Daten einen Umweg über den Server nehmen. Bei rundenbasierten Spielen merkst du das kaum, bei schneller Action eher.

Kann ein TURN-Server meine Spieldaten lesen?

Bei WebRTC nicht: Die Daten sind zwischen den beiden Geräten verschlüsselt, der TURN-Server reicht sie nur durch. Er sieht aber, welche Adressen beteiligt sind und wie viele Daten fließen.

Verwandte Begriffe

← Alle 199 Begriffe im Spiele-GlossarZu den Spielen