Spiele-Glossar

Textmodus: Wenn der Bildschirm aus Zeichen besteht

Zeichen statt Pixel: Wie der Textmodus funktioniert, warum er so wenig Speicher braucht und wie Spiele auf dem Robotron Z9001 daraus sogar 3D-Welten bauen.

6–9 Minuten

Kurz erklärt · Retro & DDR-Heimcomputer

Der Textmodus ist eine Betriebsart der Bildausgabe, bei der der Bildschirm ein Raster aus Zeichenfeldern ist. Das Programm legt für jedes Feld nur einen Zeichencode ab; erst die Hardware macht daraus mit dem Zeichengenerator sichtbare Bildpunkte.

Auch: Text-Modus, Zeichenmodus, Textbildschirm, Text mode, Zeichenorientierte Bildausgabe

Textmodus: Zeichen statt Bildpunkte Links stehen im Speicher fünf Zeichencodes: 48, 41, 4C, 4C und 4F. Nacheinander leuchtet jeder Code auf, der Zeichengenerator in der Mitte macht daraus ein Muster aus 8 mal 8 Punkten, und rechts erscheint auf dem Bildschirm Buchstabe für Buchstabe das Wort HALLO. Danach vergleichen zwei Balken den Speicherbedarf: Ein Textbildschirm mit 40 mal 24 Zeichen braucht 960 Byte, ein Schwarzweiß-Bild mit 320 mal 192 Punkten 7680 Byte – achtmal so viel. Bildschirmspeicher 48414C4C4F 1 Zeichen = 1 Byte Zeichengenerator Code → 8 × 8 Punkte Bildschirm HALLO 40 × 24 Zeichenfelder Textmodus, 40 × 24 Zeichen 960 Byte Pixelbild, 320 × 192 Punkte (schwarzweiß) 7 680 Byte
So funktioniert’s: Im Bildschirmspeicher stehen nur Zeichencodes. Der Zeichengenerator macht aus jedem Code ein Muster aus 8 × 8 Punkten, und auf dem Bildschirm erscheint HALLO. Ein Textbildschirm braucht 960 Byte, ein Pixelbild gleicher Größe 7680 Byte.

Was ist der Textmodus?

Im Textmodus kennt der Computer keine einzelnen Bildpunkte, sondern nur Zeichenfelder. Der Bildschirm ist in Zeilen und Spalten aufgeteilt, und in jedem Feld steht genau ein Zeichen: ein Buchstabe, eine Ziffer, ein Satzzeichen oder ein Grafiksymbol.

Das Programm muss sich deshalb nur merken, welches Zeichen in welchem Feld steht – ein Byte pro Feld. Wie das Zeichen aussieht, weiß die Hardware: Ein Zeichengenerator, meist ein kleiner Festwertspeicher, enthält für jeden Zeichencode ein Punktmuster. Die Bildschaltung liest die Codes aus dem Bildschirmspeicher und setzt daraus Zeile für Zeile das Bild zusammen.

Das Gegenstück ist der Grafikmodus, in dem jedes Pixel einzeln gesetzt wird. Er ist flexibler, braucht aber viel mehr Speicher und Rechenzeit.

Wie funktioniert der Textmodus beim Robotron Z9001?

Der Robotron Z9001 arbeitet ab Werk ausschließlich im Textmodus. Sein Bild hat 40 Spalten und 24 Zeilen, wahlweise 20 Zeilen. Jedes Zeichen ist 8 × 8 Bildpunkte groß, zusammen also 320 × 192 Punkte – doch einzeln ansprechen kann ein Programm diese Punkte nicht.

EigenschaftZ9001 · KC 85/1 · KC 87
Raster40 × 24 Zeichen (oder 40 × 20)
Zeichengröße8 × 8 Bildpunkte
ZeichensatzBuchstaben, Ziffern und Zeichen wie im ASCII-Standard, dazu 128 Grafikzeichen
Speicher für den Text1 Byte pro Feld, 960 Byte für den ganzen Bildschirm
Farbemit Farbzusatz 8 Vorder- und 8 Hintergrundfarben je Feld, dazu Blinken
Pixelgrafiknur mit seltener Zusatzbaugruppe

Die Animation oben zeigt den Weg: Im Speicher stehen die Codes 48, 41, 4C, 4C und 4F. Der Zeichengenerator macht aus jedem Code ein 8 × 8-Muster, und auf dem Bildschirm erscheint HALLO.

Warum war der Textmodus so verbreitet?

  • Wenig Speicher: Ein voller Textbildschirm des Z9001 braucht 960 Byte. Ein Schwarzweißbild mit 320 × 192 Punkten bräuchte 7680 Byte – achtmal so viel, bei damals 16 KB Arbeitsspeicher ab Werk.
  • Wenig Rechenarbeit: Um eine Figur zu bewegen, ändert ein Programm ein paar Bytes statt Hunderte Bildpunkte.
  • Gut lesbar: Text sieht immer sauber aus, weil die Zeichen fertig gestaltet im Zeichensatz liegen.
  • Billige Hardware: Zeichengenerator und wenig Bildspeicher waren günstiger als eine Grafikkarte.

Der Preis: Alles muss ins Raster passen. Feine Linien, Kurven und weiche Bewegungen sind schwierig. Daraus entstand die Blockgrafik, bei der Spiele ihre Bilder aus Viertelblöcken, Linien und Mustern des Zeichensatzes zusammensetzen.

Unterschied: Textmodus, Blockgrafik und ASCII-Grafik

BegriffWas ist gemeint?
Textmodustechnische Betriebsart: Die Hardware zeigt ein Raster aus Zeichencodes an
Grafikmodustechnische Betriebsart: jeder Bildpunkt wird einzeln gesetzt
BlockgrafikTechnik im Textmodus: Bilder aus Grafikzeichen wie Viertelblöcken
ASCII-GrafikGestaltungsstil: Bilder aus gewöhnlichen Buchstaben und Satzzeichen, auch im Grafikmodus möglich

Heute begegnet dir der Textmodus noch in Konsolen- und Terminalfenstern. Spiele im Zeichen-Look wie Asciiland zeichnen dagegen Pixelgrafik im Browser und ahmen die Optik nur nach – mehr dazu unter ASCII-Grafik.

Textmodus in Spielen auf Player 0o5

Häufige Fragen zu Textmodus

Was ist der Unterschied zwischen Textmodus und Grafikmodus?

Im Textmodus speichert der Rechner nur Zeichencodes, und die Hardware zeichnet daraus die Buchstaben. Im Grafikmodus setzt das Programm jeden Bildpunkt selbst – flexibler, aber speicherhungriger.

Wie viele Zeichen zeigt der Robotron Z9001?

40 Zeichen pro Zeile in 24 Zeilen, wahlweise 20 Zeilen. Jedes Zeichen besteht aus 8 × 8 Bildpunkten.

Konnte der Z9001 Pixelgrafik?

Ab Werk nicht. Bilder entstehen aus 128 Grafikzeichen im Zeichensatz; echte Pixelgrafik gab es nur mit einer seltenen Zusatzbaugruppe.

Warum braucht der Textmodus so wenig Speicher?

Weil pro Zeichenfeld ein Byte reicht. Beim Z9001 sind das 960 Byte für den ganzen Bildschirm, ein gleich großes Schwarzweiß-Pixelbild bräuchte 7680 Byte.

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